Das Laboratorium wird 40!

 

 

1971 war nichts.

 

Diesen Zustand wollten einige junge Stuttgarter unbedingt ändern – und beschlossen, dass es einen Ort geben sollte, an dem etwas war: eine andere Kultur, die ebenfalls als Hochkultur verstanden werden sollte, aber auch ein Ort der Diskussion, der gemeinsamen Interessen, und ein Ort, an dem man sich selbst verwirklichen, wirken und wachsen konnte. Ehrenamtlich Verantwortung übernehmen, selbständig werden, partizipieren und gestalten konnte. Mit Freude, mit Spaß, mit Freunden aus aller Herren Länder.

 

Randy und Heidi Schmid im Lab 1987

1972 war dann etwas: das Laboratorium.

 

Am 27. September 1972 öffnete es erstmals in der Wagenburgstraße 147 im Stuttgarter Osten seine Tür für das andere, alternative Publikum. Das allererste Konzert in dem alten Gastwirtschaftssaal spielten Schobert & Black und der junge Thomas Friz (Zupfgeigenhansel).

 

Heidi und Randy Schmidt waren die treibenden Kräfte, damals und für lange Jahre. Der Name: Programm. Offen sollte und wollte das Lab sein, für Neues, Anderes, Noch-nicht-Gesehenes, ein Raum für die Juwelen, die abseits der offiziellen Hochkultur an der Straße lagen. Die Herausforderung damals und heute: die intime Zwiesprache mit einem Publikum, das seine Künstler 100 % live erleben will.

 

Bireli Lagrene & Jan Jankeje im Lab 1980

Aber das Lab sollte auch für das Experimentieren mit dem eigenen kreativen Potenzial stehen. Kabarett, Musik, Theater, Vorträge, Workshops...: für viele heute renommierte Künstler war das Lab die erste Bühne, auf der sie ihre Talente vorstellen konnten. Die kleine Tierschau, das Country Blues Project, Anne Haigis, Christoph Sonntag, Peter Grohmann, Mathias Richling, Urban Priol, Otfried Fischer, Georg Schramm, Hubert von Goisern, Fanfare Ciocarlia, Poesie & Musik, Cochise, Kolbe-Illenberger, Amadou & Mariam, Tamikrest...

 

1981 dann war das Lab ein Verein.

Erika Stucky im Lab 2006

Und um ein Festival reicher, im Zelt bei den Berger Sprudlern. Zum 31. Mal hat dieses Lab-Fest 2012 stattgefunden. 31 Jahre Musik, Kabarett und Theater „für umsonst“, über 300 verschiedene Bands und Solokünstler standen in diesen Jahren auf den Brettern der Festivalbühne, zigtausende von Besuchern strömten in das Zelt im Unteren Schlossgarten.

 

Dr. Marrax beim Labfest 2011

2012 wird das Lab dann 40 und erreicht das viel zitierte Schwabenalter.

 

Im Rückblick können wir sagen: Wir haben uns oft gehäutet, oft uns neu erfunden. Frei nach Wolf Biermann: Nur wer sich ändert, bleibt sich treu. Aber vieles ist bei uns gleich geblieben: die Lust auf interessante Künstler und Bands, ob alt oder jung, die kreative Neugierde, das ehrenamtliche Prinzip, das mittlerweile von einem kleinen, aber feinen Profiteam unterstützt wird – Thanx! –, das schmale Geld, ein unglaublich treues und solidarisches Publikum, und die ungebrochene Lust auf diskutierende und handelnde Beteiligung, im Osten, in Stuttgart, in der Region, in der Welt.

 

Diese Konstanten sind es, die uns zuversichtlich machen – auf die nächsten 40!

 

Bis bald im Lab.

Violons Barbares im Lab 2009
Bittersüße Honigmandeln im Lab 2007
Stimmhorn im Lab 2006