Sa 17.02.2018, 20:30        
Sammy Vomáčka Jazz Trio      
Jazz, Bebop & Cooljazz
Jazz
Sammy Vomáčka hat sich mit Ende 40 auf eigene Initiative förmlich noch einmal gehäutet, um die Musik zu machen, die ihn fasziniert, und dabei einen über Jahrzehnte erworbenen guten Ruf als Künstler (und eine behagliche Nische in der Szene) aufs Spiel gesetzt.

Mit dem Namen Vomáčka verbinden die Gitarrenfans unter den heute fünfzig- bis sechzigjährigen unvergessliche Abende in schlecht belüfteten Studentenkneipen, herrliche Ragtime- und Blues- Arrangements auf einer alten Martin zu launig-humorigen Zwischenbemerkungen, vielleicht die erstmalige Erkenntnis, dass es überhaupt menschenmöglich ist, Stücke von Leo Kottke (nach Gehör) nachzuspielen, sowie die ebenso köstliche wie analytisch treffsichere Erklärung, ein Fingerpicker sei ein Mensch mit drei Händen.

Bis auf die Picks an seinen Händen erinnert bei einem Trio-Konzert kaum noch etwas an den Musiker, den man einmal kannte. Mit einer bauchigen alten Gibson "Super 400", an der er eigenhändig den Steg-Pickup nebst den dazugehörigen Potis ausgebaut hat, bildet er den zentralen Part eines klassischen Jazz-Trios reinsten Wassers. Außer ihm gibt es nur noch Schlagzeug und Kontrabass - eine Besetzung also, in der jazzgitarristische Schwächen gnadenlos zum Vorschein kämen, wenn es sie gäbe. Aber bei allen Bedenken und bei allen kritisch gespitzten Ohren, die bereit sind, den ehemaligen Fingerpicker bis auf die letzten Feinheiten zu analysieren - der Mann zeigt keine Schwächen. Verwundert reibt man sich die Augen (und die Ohren), und das Konzert geht schon fast in die Pause, bis man begriffen hat, dass das wirklich Sammy Vomáčka ist, und nicht Jim Hall oder Barney Kessel, der da einen Jazz-Standard nach dem anderen ("Wave", "There Will Never Be Another You", "All Blues" u.s.w. ) mit einer Leichtigkeit intoniert, die schlicht und einfach sprachlos macht. Vollkommen frei hantiert er mit Melodiebögen und Motiven, entlockt ihnen immer neue harmonische Varianten, die auf der Zunge bzw. dem Trommelfell zergehen wie guter Wein. Und dabei klingt er von vorn bis hinten authentisch, so als hätte er die letzten Jahren jeden Morgen ein Müsli aus den Platten von Tal Farlow und Wes Montgomery zu sich genommen.

Zudem gelingt dem feinen Trio sogar eine ganz besondere Gratwanderung: Die Musik atmet, sie ist luftig, ungezwungen und frei und hat dennoch einen überzeugenden Swing; sie ist harmonisch komplex und kommt dennoch keinen Augenblick abgehoben daher. So elegant und melodiös wie das alles wirkt, kann man nur kopfschüttelnd anerkennen, dass sich da jemand erfolgreich komplett neu erfunden hat nach einer Jahrzehnte alten musikalischen Identität. Im Übrigen hat er nicht nur einen anderen Stil dazu gelernt, sondern auch eine neue Rolle ganz und gar verinnerlicht: Nicht einmal fällt er in alte Fingerpicking-Muster zurück, spielt einen Ton zu viel oder ergeht sich in Arpeggien, zuckt mit dem Daumen, um einen Bass anzuschlagen, den der Kontrabass ohnehin spielt. Aber es ist dies eine Mühelosigkeit, die über harte Jahre des Umlernens hinwegtäuscht, wie Sammy Vomáčka in der Pause bemerkt: "Es war unglaublich schwer ...., es hat lange gedauert, aber jetzt läuft es allmählich....“

Eines jedoch hat sich seit den seligen Fingerpicking-Zeiten definitiv nicht geändert: Sammys launig-humorigen Ansagen, die fast schon allein das Eintrittsgeld wert sind. Und natürlich endet immer noch jede Ansage mit Sammys Markenzeichen-Running-Gag: „Und das Stück geht ungefähr so…“


Sammy Vomáčka – Gitarre
Petr Dvorský – Bass
Radek Němejc – Schlagzeug
 
http://www.sammyvomacka.de