Mi 9.05.2018, 20:30        
Marty O’Reilly & The Old Soul Orchestra      
14. Festival "For The Sake Of The Song"
Americana/SingerSongwriter
Man könnte jetzt ganz klassisch-konventionell anfangen zu erzählen, dass der Kalifornier Marty O’Reilly mit seinem Quartett Musik macht, die alten Delta-Folk-Blues à la Mississippi John Hurt mit Einflüssen von Alternative Country, Tom Waits und Hot Club de France-Sinti-Swing verbindet und damit etwas schafft, das gleichzeitig vertraut und doch neu klingt. Weitere heraushörbare Inspirationsquellen sind Howlin‘ Wolf, John Lee Hooker, Radiohead, gälische und slawische Folklore. Dazu O’Reilly’s fiebrige, intensive, süchtig machende Gesangsstimme. Selten würde man aber einer Sache mit so einer profanen Beschreibung so wenig gerecht werden wie in diesem Fall. Versuchen wir es also mal etwas anders.

Marty O’Reillys Musik hören ist, als würde man durch einen wilden, unberührten Wald streifen und plötzlich auf einen Kronleuchter stoßen. Sie ist cineastisch, romantisch, rau, traumartig. Die Traummetapher wird überhaupt gerne verwendet beim Versuch, das Besondere, Magische in O’Reillys Musik sprachlich zu fassen. Das kommt dem Versuch gleich, einen Traum, an den man sich erinnert, zu erzählen. Es fühlt sich vertraut und gleichzeitig neu an. Irgendwie Blues, aber doch kein klassischer Blues, Folk, aber kein konventioneller Folk, seelenvoll, aber kein Soul. Auf jeden Fall hat die Musik etwas soghaft-tranceartiges. Einer Trance ähnelt auch der Zustand, in den sich die Band bei jedem Auftritt bringt, um ihre Musik auf der Bühne jeden Abend als etwas Neues zum Leben zu erwecken. Dann bewegen sie sich von rauem Gospel-Blues zu cineastischen Epen, von schwer treibenden Grooves zu delikat arrangierten Folksongs. Die Bühne verlassen sie atemlos, übersät mit gerissenen Gitarrensaiten und Bogenhaar. Es ist schwer zu beschreiben, unmöglich zu kategorisieren, eben genau so schwer, wie am nächsten Morgen einen Traum nachzuerzählen. Die Bilder entziehen sich, während man versucht, sie in Worte zu fassen, aber das Gefühl bleibt. Auf keinen Fall verpassen!

Marty O’Reilly – Gesang, Gitarre
Chris Lynch – Violine
Ben Berry – Kontrabass
Matt Goff – Schlagzeug
 
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